Montag, 7. Oktober 2013

Auf Wiedersehen.

Au Backe, ist die Warteschlange im Supermarkt wieder lang! Dafür habe ich genügend Zeit, den Kassierer zu beobachten. Jau, das ist wieder so ein Jungspund, der allen Kunden ein muffeliges "Hallo" entgegenbrummt, ohne Ihnen ein einziges Mal in die Augen zu sehen. Zur Verabschiedung folgt dann folgerichtig ein beiläufiges "Tschühüüs". Hallo!? Gab es nicht mal ein freundliches "GutenTag"?
'Na warte, Du Bürschchen', grummelt es in mir. Als ich an der Reihe bin, grüße ich laut und herausfordernd "Guten Tag!"  " 'llo", brummt es zurück. Und wider Erwarten muß ich innerlich grinsen. Da ist also das italienische Wanderweg-Gruß-Syndrom an den deutschen Supermarktkassen angekommen!
Während der Jungspund meine Artikel akribisch genau über den Scanner zieht, denke ich an unsere Wanderungen zurück. In Spanien, besonders in der Tramuntana, ruft man den Wandernden einfach ein fröhliches "Olà" zu. Handelt es sich um sehr ältere Eingeborene, zu erkennen am Vorkriegsrucksack und den selbstgeschnitzten Wanderstöcken, ist man mit einem freundlichen "Bon dìa" gut beraten. 
Ganz anders verhält es sich in Norditalien. Hier stehen im Wesentlichen vier Grußformeln zur Auswahl: "Buongiorno" als hochsprachliche Variante und "Giorno" als deren gekeuchte Kurzform beim Aufstieg, "ciao" und "salve" als sportlich-salopper Insidergruß und "Bon dì!" für ältere Eingeborene (erkennbar an - siehe oben) im Piemont und in der Lombardei. 
Nun könnte man ja denken, wenn man seinen Gruß entsprechend der entgegenkommenden Person wählt, wird man ebenso zurückgegrüßt, aber denkste! Ich liege IMMER daneben, garantiert. Grüße ich die jungen, sportlichen Männer mit "ßalveeee", ertönt ein strammes "Buongiorno". Sage ich zu älteren Damentrio  konservativ "Buongiorno", erwidert man garantiert "ciao", und wenn ich es mit "ciao" versuche, lautet der Rückgruß - Salve! 
In Südtirol kommt noch eine erschwerende Komponente hinzu: Die Wanderer können Südtiroler oder Italiener sein, und erstere freuen sich eher nicht über einen italienischen Gruß, sondern über ein Grüß Gott. Damit habe ich nun wieder ein Problem, denn was antwortet man darauf? Ein Freund in Jugendzeiten hat es mal mit "Waidmanns Heil" versucht und dafür vernichtende Blicke geerntet.
Inzwischen ist der Jungspund an der Kasse fertig, nennt mir die Zahlsumme. Ich stecke das Wechselgeld ein und warte auf seinen Abschiedsgruß. "Schüss", säuselt er. Ich atme tief ein, denke an den Urlaub, meine stets falsch gewählten Grußvarianten und antworte freundlich: AUF WIEDERSEHEN!

Sonntag, 23. Dezember 2012

Mach das Radio an!

Kennen Sie dieses Lied von den Wise Guys? Da sitzen zwei im Auto, schalten das Radio an und fahren einfach so der Sonne entgegen. Nachdem sie richtig laut aufgedreht haben, natürlich.
Nach dem Kauf unseres jetzigen Autos habe ich auch ein Radio dazu erworben. (Da wir einer Billigmarke anhängen, war das Radio nicht inklusive.) Mein Kriterium Nummer 1: Übersichtliche Anordnung der Knöpfe. Je einen für an/aus, Sendersuche, nächster Titel, CD/Radio, fertig.  Mir nützt kein 3-Knopf-Design mit sieben Untermenüs, wie soll ich die beim Autofahren bedienen? Auch eine geometrische Anordnung von 4x4 Knöpfen ist sinnlos, wie trifft man die beim Fahren? 
Das gewählte Radio war...okay. Es spielte CDs ab und man konnte manchmal Radio hören. Wenn man nicht gerade in Richtung Weimar fuhr, weil nämlich im Mühltal kein Empfang ist, und auf dem Kreisel bei Globus auch nicht, und wenn man dann nach Weimar  kam, dudelte auf dem Knopf, unter dem eigentlich DLF gespeichert war, irgend so ein Dudelsender, auf dem einem irgendwelche stets bombig gelaunten Frohmenschen ständig irgendeinen Blödfug erzählten. Nach Osten hin geht es bis zum Hermsdorfer Kreuz, dann ist der Sender weg  und kommt nie wieder, nach Norden geht es bis Weißenfels. In Richtung Bayern legen wir lieber gleich ein Hörbuch ein, man weiß ja nie.
Als es nun zum 4. Advent wieder nach Prag ging und wir erwartungsfroh die neue Aufnahme des Weihnachtsoratoriums einwarfen, in den Player natürlich, tat sich gar nichts. Außer daß mir auf einer Kreuzung in Chemnitz, einst Karl-Marx-Stadt, beinahe ein Irrer ins Auto gekracht wäre, als ich bei Grün eine Kreuzung überquerte. Ich überlege noch, ob das ein Zeichen war. 
Jedenfalls ist der CD-Player hin, und da der Radioempfang ja, wie eben geschildert, auch nicht so der Hit war, beschlossen wir, ein neues Radio zu kaufen. Der Liebste suchte die einschlägigen Tests durch und nannte mir die Siegerfabrikate. Beim Lesen der Bewertungen geriet ich arg ins Zweifeln. Fassen wir zusammen: Ich möchte ein Autoradio mit gutem Empfang kaufen, das auch CDs abspielen kann. Darüber sagen die Bewertungen kaum etwas aus, allerdings wimmelt es da von Begriffen wie Bluetooth, BT-Modul, A2DP-Audiostreaming, Telefonbuch mit Sortierung nach Vor- und Nachnamen, Mittelnippel, Mikrophonprofile, Rückkopplungseinstellungen, Drehregler mit ringförmiger Bedienwippe, iPod-Affinität, Sound Enhancer, Sound Realizer, Sound Elevation, Flip Down Panel, Direct und Related-Search, Alphabet & Skip-Search und All Random, diverse Illuminationseffekte, Dual Zone, -Supreme +- Klang-Tuning-Technologie...
Besonderer Wert wird darauf gelegt, ob ich erst das Handy und dann das Radio einschalte oder umgekehrt, weil sonst die Bluetoothrückkoppelung zu diversen Random-Streamings führt und die Sortierung des Mittelnippels in der Dual-Zone das Mikrofonprofil verzerrt.
Eigentlich aber möchte ich ja nur beim Autofahren D-Radio hören und ab und zu mal ein Hörbuch.
Wir haben da noch so ein Kofferradio. Das spielt auch Kassetten ab und funktioniert mit Batterien. Wenn ich das hinten mit Kabelbindern an den Haltebügel hänge (an dem sich eventuelle Mitfahrer immer festhalten, wenn ich in die Kurve gehe), müßte das gehen. Damit kann ich zwar nicht telefonieren, aber das ist ja im Auto eh verboten!


 

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Träume

Träumen Sie eigentlich in Farbe oder s/w?  Und wenn Sie Brillenträger sind, haben Sie die Brille auch im Traum auf der Nase? Träumen Sie als Sie selbst oder sehen Sie sich von außen? Und haben Sie auch schon mal in Fortsetzungen geträumt? Erinnern Sie sich am nächsten Morgen noch an Ihre Träume, und wenn ja, wissen Sie immer, was diese bedeuten? 
Psychologen behaupten ja, man arbeitet im Schlaf unbewältigte Probleme auf. Falls Sie das ohne fachliche Hilfe nicht hinbekommen, gibt es genügend Traumdeutungsbücher. In meinem Bücherregal stehen deren zwei. Beim Blättern kann man sich oftmals des Lachens nicht erwehren. Würde ich zum Beispiel im Schlaf von einem Hausmädchen träumen (was ich zugebenermaßen im Wachzustand oft tue), hieße das nach Ferdinand Schmidt, daß Zank und Streiterei ins Haus stehen. Träumte ich hingegen von einem Hammel, wird mir nach dem indischen Traumbuch ein hohes Amt angetragen. Wenn ein Chinese durch meinen Traum läuft, werde ich ein eine ferne Gegend kommen, in der es mir sehr gut gefällt. Hoffentlich ist das nicht China, ich kann nämlich nicht Chinesisch!
Apropos Chinesisch:
Man kann eine fremde Sprache erst dann richtig, wenn man in ihr träumt, heißt es.
Vor Zeiten habe ich in Prag studiert und auch tatsächlich auf Tschechisch geträumt. Später studierte ich noch Italienisch, und meine Träume wurden sehr  interessant. Ich  erinnere mich daran, daß ich mich einmal quälte, weil einer meiner Traum-Gesprächspartner ein Wort verwendete, das ich im Traum nicht kannte. Im Traum schaute ich damals im Wörterbuch nach und fand das Wort auch, konnte mich aber am nächsten Morgen nicht mehr daran erinnern. 
Eine weitere Stufe war, daß ich aufwachte, als ein unbekanntes Wort im Traum auftauchte, die Treppen nach unten ins Wohnzimmer ging und das Wort in realo im Wörterbuch suchte. Das habe ich mir dann auch gemerkt.
Jetzt habe ich eine neue Herausforderung gesucht. Auf unserer Istanbul-Reise hat es mich halb wahnsinnig gemacht, daß ich nichts verstanden und es auch nicht geschafft habe, mir einfachste Wörter wie bitte, danke, tschüs auf Türkisch zu merken. Höchstens noch "danke", weil das auf Türkisch so ähnlich klingt (tesekkür ederim) wie das ungarische "bitte" (tesék). Als aber im Hafen an einem Makrelen-Grill-Imbiß-Boot das Wort bismillahirrahmanirrahim angeschrieben stand, brauchte ich mir gar keine Mühe zu geben - das war sofort wie eingebrannt, obwohl ich wirklich keinerlei Bezug zum Inhalt habe: im Namen Allahs des Allerbarmers des Barmherzigen. Es klingt einfach schön. 
Aber für unsere nächste Reise möchte ich ein paar Wörter mehr draufhaben, also habe ich einen Türkischkurs belegt. Und es ist wieder wie verhext: Ich  schaue ins Buch, ich schreibe, alles gut, ich verstehe das, durchschaue die Agglutination (alles wird hinten angehängt: ev - Haus, evler - Häuser, evlerim - meine Häuser, evlerimde - in meinen Häusern), es ist also alles bestens. Aber kaum hebe ich meinen Blick, ist mein Hirn leer. Kein einziges Wort ist noch da. Schaue ich wieder hin, weiß ich die Vokabeln wieder. Das ist wie in Otto Reutters Lied vom Überzieher, kennen Sie das? Da hängt einer seinen neuen Mantel im Restaurant an den Haken, hat aber Angst, er würde ihm gestohlen, deshalb starrt er beständig darauf. Und wenn er wegschaut - "...schau ich weg von dem Fleck, ist der Überzieher weg!"
Gestern Abend habe ich fleißig gebüffelt, bis mir der Kopf schwirrte, und hatte dann heute Nacht ein riesiges Erfolgserlebnis: Ich habe auf Türkisch geträumt! Leider habe ich kein einziges Wort verstanden, aber bis zum Ende des Kurses wird das vielleicht noch besser! Dazu müßte ich nur noch vom Buttern träumen, denn das bedeutet, daß einem das gelingt, was man gerade begonnen hat! Also dann: Bismillahirrahmanirrahim!

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Stella in den Duden

Die Sonne scheint. Es ist Wochenende. Gibt es eine bessere Gelegenheit, sich die neuen Stella-Werke anzusehen? Die Türen öffnen sich, wir treten in eine lichtdurchflutete Halle. Kunterbunte Gebilde kringeln sich aus den Wänden wie der Rauch von Stellas Zigarren, große bunte Bilder bauen sich vor uns auf. 
Wir sind fröhlich, gehen rechts und links um die Ecke - und sind enttäuscht, schon am Ende angekommen zu sein. Die Heiterkeit im Herzen nehmen wir mit. 
Wenige Tage später stehen Besuchermeinungen zum Nachlesen in der Zeitung. Die Besucher sind 5, 7, 10 Jahre alt.  Unser Hit ist:
"Den Namen Stella kenne ich. Meine Eltern haben schon mal gesagt, in meinem Kinderzimmer sieht es aus wie bei Stella!" 
Früher hieß es noch "wie bei Hempels unterm Sofa"; bei Thorben-Malte-Jeremy sieht es jetzt aus "wie bei Stella". 
Wir meinen: Das muß in den Duden!

Freitag, 14. Oktober 2011

Frank Stella

Ich erinnere mich noch genau an jenen Tag 1998. Ich war krank und konnte daher meinem Studi-Job in Jena nicht nachgehen. Mein lieber Mann kam am Abend nach Hause und berichtete, daß man auf dem Campus in Jena moderne Kunstwerke aufgestellt habe, "Schrotthaufen", geschaffen von Frank Stella, und die Leute seien schwer am Diskutieren. Ich war begeistert. "Das gefällt mir garantiert," rief ich. Und es war so!
Ich habe zu moderner Kunst ein sehr einfaches Verhältnis. Ich schaue mir die Sachen an und finde sie spontan entweder schön oder nicht. Dazwischen gibt es eigentlich nichts. Was genau da zu mir spricht, kann ich nicht sagen. Ist es die Farbe, die Form, der Charakter?
Die "Schrotthaufen" sind für mich eine fröhliche optische Entlastung inmitten von Symmetrie, rechten Winkeln und schlichtem Beton allüberall. Bei extremen Minustemperaturen verändern die Metalle ihre Farbe, und he!, es gibt sogar einen Geocache an einem der Stücke.
Jetzt ist Frank Stella zurück in Jena, er war sogar real in persona hier - zum Aufbau einer neuen Ausstellung. Diese vereint die größte Anzahl an Stella-Werken weltweit und zeigt zahlreiche Stücke, die vorher noch nie gezeigt wurden.  
Eh, das ist Spitze! Jena in einer Reihe mit Bielefeld, Düsseldorf und London (da mit der Tate Gallery)! Das kann man doch nur gut finden.

P.S. Der Eintritt ist frei.

Professor Franz Joachim Verspohl, der mit Stella befreundet war und ihn damals nach Jena geholt hat, wäre glücklich gewesen, hätte er das noch erleben dürfen.

Montag, 5. September 2011

Susi

Kennen Sie Susi? Diese schmeichelnde Stimme, die in der TV-Kuppelshow mit Reinhard Fendrich die (un)vorteilhaften Eigenschaften der Kandidaten zusammenfaßt? So ähnlich, ein kleines bißchen jedenfalls, klingt das Navi, das wir uns für unsere Urlaubsreise bei Klaus geliehen haben. Eigentlich finden wir ja unseren Weg sonst auch ohne elektronische Unterstützung, aber bei unserer letzten Reise durch Polen (das ist das Land da rechts neben uns, mit der unzureichenden Straßenausschilderung) haben wir eine Autobahnausfahrt verpaßt, weil einfach der Grenzübergang Zgorzelec (Görlitz) nicht ausgeschildert war, und sind gefühlte 800km in Richtung Forst gefahren. Deshalb wollten wir diesmal elektronisch nachhelfen. 
Die Bedienung ist kinderleicht und selbsterklärend. Bis Kraków sind wir auch problemlos gekommen, dann wurde e sschwierig. Susi hat uns, weil wir den Hinweis "am Kreisverkehr rechts abbiegen" nicht verstanden (wir dachten, der Kreisverkehr liege vor uns und wußten nicht, daß er sich rechts neben der Straße befand und man, um da hinzukommen, schon mal rechts von dieser runterfahren mußte), einen kleinen Umweg von 70-80km links um die Tatra fahren lassen, und dann, weil wir die Autobahn meiden wollten, um für 30km nicht eine Vignette zu kaufen (man ist ja manchmal so unmotiviert geizig), auch von der Landstraße heruntergewiesen, und das geht so: Du fährst, und Susi nervt, Du sollst bitte sofort rechts oder links abbiegen. Du folgst dem Hinweis und lernst alle Hundegassen der Romasiedlung kennen. Führt Dich die Hundegasse wieder auf die Hauptstraße, schreit Susi, daß Du diese sofort verlassen sollst, indem Du links oder rechts abbiegst. So geht das Spiel weiter. Gibst Du auf und läßt die Autobahn wieder zu, kennt Susi diese und alle anderen Straßen gar nicht mehr und befindet sich im Nichts. Sie hat einfach mal gar keine Straßen mehr. Fährst Du erstmal weiter, weil Du auf der Schnellstraße nicht einfach anhalten kannst, kann sich Susi in genau dem Moment wieder orientieren, in dem Du in den Tunnel fährst, so daß sie Dich dann permanent auffordert, sofort zu wenden.
Auf dem Rückweg war Susi dann in Tschechien völlig orientierungslos, weil sie die Straßen nicht kannte, und versuchte bösartig, uns immer in die entgegengesetzte Richtung zu schicken. Erst in Polen auf der Autobahn fühlte sie sich wohl, vermutlich, weil man da jetzt endlich so richtig schön durchrollen kann, bis zur Grenze.
Also, lieber Klaus: Herzlichen Dank fürs Leihen, wir hatten dadurch viel Spaß beim Fahren und es kam keine Langeweile auf. ;-) 
Das Hörbuch mit der Spionagegeschichte von Ken Follett war gegen Susi regelrecht langweilig!

Sonntag, 31. Juli 2011

Kaffeebohnen. Eine neue Leidenschaft

 
 
In unserer frisch renovierten Küche steht ein wunderschönes, silbern glänzendes neues Gerät. Ein Siebträger, eine Rancilio Silvia. Nach reichlichem Üben und mehreren Litern in den Ausguß gekippten Espressos gelingt mir inzwischen ein unglaublich leckeres, schokoladiges braunes Tröpfchen mit hübsch blonder Crema, dank der indischen Bohnen Monsooned Malabar, einer kleinen Rarität. Es handelt sich um eine Arabica-Bohne, die an der Südwestküste Indiens kultiviert wird. Nach der Ernte kamen die grünen Bohnen früher in Säcke und wurden auf Segelschiffe geladen, um auf monatelangem, gefährlichem Weg nach Europa zu gelangen. Dabei waren sie dem rauhen Seeklima ausgesetzt, den salzigen, scharfen Winden, der feuchten Luft. Wenn sie nach Monaten ihr Ziel erreicht hatten, waren die Bohnen blaßgelb geworden, etwas aufgequollen und hatten ihre Säure verloren. Leider hat sich die Reisezeit im Laufe der Jahrhunderte dramatisch verkürzt, so daß man die Bohnen, um ihren außerordentlichen Geschmack zu erhalten, heutzutage anders behandelt: Sie lagern nach dem Trocknen unter der heißen Sonne Indiens in Säcken, in offenen Hallen, durch die der Wind streift, und wenn die Zeit des Monsuns gekommen ist, zieht die feuchte Luft durch die Säcke. (Der Satz ist mißverständlich. Also: Die Bohnen trocknen in der Sonne und kommen dann in Säcke, die in Hallen gestellt werden.) Die Bohnen werden dann alle zwei, drei Tage umgefüllt, damit sie nicht schimmeln.
Es gibt natürlich unzählige weitere Bohnensorten, demnächst werde ich ein Probierpaket mit fünf brasilianischen Sorten bestellen. Ich hoffe nur, ich kann mich bremsen und werde nicht so ein Freak wie viele der User im Kaffee-Netz. Es ist unglaublich, mit welcher Begeisterung man das Espresso-Beziehen zelebrieren kann (Espressi werden nämlich nicht gebrüht, sondern bezogen)! Da wird das Kaffeepulver mit der Feinwaage auf Zehntelgramm genau abgewogen, werden die Maschinen getunt, damit der Espresso bei genau 87 oder 93 oder was weiß ich Grad Celsius bereitet wird (das Einbauteil nebst Computerprogramm gibt es ab 110€ zum Selbsteinbau), muß der Tamper, also das Stößelchen, mit dem man das Espressopulver in das Sieb preßt, genau 58,6mm Durchmesser haben, und ob der Tamper plan oder konvex ist spaltet natürlich die Nation. Der Anpreßdruck beim Tampern soll exakt 15 kg betragen und schließlich müssen die 2x25ml Espresso in genau 25s durch das Sieb fließen. Geht es schneller oder dauert es länger, stimmt der Mahlgrad des Pulvers nicht oder es wurde zu fest oder zu locker getampert oder es ist zu viel oder zu wenig Pulver im Sieb. Ja, und wenn das alles stimmt und der Espresso trotzdem nicht schmeckt, kann es eigentlich nur noch an der Bohne liegen. Die muß natürlich frisch geröstet und gemahlen sein. Wenn das Pulver 30s nach dem Mahlen noch nicht im Sieb ist und gebrüht wird ('tschuldigung - bezogen), kann man es auch gleich wegwerfen. Es darf natürlich keinesfalls aus dem Supermarkt stammen, sondern nur per Versand frisch vom Röster. Wie zum Beispiel meine Monsooned Malabar. Oder noch besser: Man röstet selbst. Aber darüber kann ich nichts schreiben, damit habe ich mich nicht befaßt. Noch nicht…
Was das alles mit dem Namen dieses Blogs zu tun hat, mit "Jena entdecken", fragt meine Tochter. Ganz einfach: In meiner Not - anfangs funktionierte einfach nichts - habe ich im Internetforum für Kaffeefreaks Hilfe gesucht. Dort wurde mir geraten, mir doch mal einen Jenaer Espresso-Spezialisten einzuladen. Es sollte deren mehrere geben, und tatsächlich meldete sich auch gleich einer, und was soll ich sagen? Er wohnt wirklich nur um die Ecke, einmal über die Straße, keine 200m von mir entfernt. Das ist doch mal eine Entdeckung. Eine, wie man sie nur in Jena machen kann!